romantic rosa, stolze brust und wieviel fake steckt in mir?

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Madonna gilt ja als große Perfektionistin. Da fand ich immer schon schrecklich anstrengend. Ich bin ja im Sternbild Jungfrau geboren, denen viel Perfektion nachsagt wird. Aber da muss bei mir irgendwas im Schaltkreis falsch verdrahtet sein. Mit meinen Ü50 bin ich inzwischen lieber perfekt unperfekt. Meistens jedenfalls. Der Zankapfel, an dem ich meinen Perfektionismus auslebe ausgelebt habe, war natürlich: mein Körper. Statt „stolzer Brust“ war meine Sichtweise eher „immer ungenügend“. Nix mit rosa Brille.

Inzwischen macht mich dieses Herumgenörgel an Körper und Gesicht wütend. Es nervt. Warum ich euch das heute aufs Sonntagsbrötchen schmiere? Weil in der FAZ Jennifer Wiebking gerade über jüngere Bloggerinnen schrieb, die nach anfänglichen Komplexen, nun zu ihrer „natürlichen“ Brust stünden und der Perfektion im Internet, einfach Unperfektes gegenüber stellen würden mit „Stolzer Brust„. Das Umfeld wirkt halt immer mit.

 

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„Ich bin nicht in meinem Körper gefangen. Ich bin gefangen in dem Blick der Gesellschaft auf meinen Körper“, habe ich gerade auf Pinterest gelesen und fand das sehr treffend. Gesellschaft sind nicht zuletzt oft andere Frauen. Frauensolidarität hin oder her. Ob das eine Generationenfrage ist? Hm…

 

Die Frankfurter Allgemeine berichtete jedenfalls letzten Sonntag über junge Bloggerinnen, die jetzt wieder ihre natürlichen Brüste betonen, obwohl sie früher Komplexe hatten. Meine Oberweite gehört zu denjenigen Körperteilen, die mir am wenigsten Sorgen bereitet haben. Ich hätte zwar gern halterlose Bikinioberteile getragen. Doch die sehen mit 75 B nicht wirklich interessant aus, finde ich. Sitzt auch ein bisschen Larifari. Am besten fahre ich immer noch mit einem simplen Triangle.

 

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Stolze Brust oder einfach Porno?

Ich war zufrieden mit meiner Ausstattung und hatte auch nicht das Gefühl, etwas nachlegen zu müssen. Nicht einmal in Kalifornien. Warum ich das jetzt erwähne? Also, wenn es eine Oberweiten-Fixierte Gegend auf der Welt gibt, dann ist es 1. Amerika und 0.1 die Westküste und 0.1.1. Südkalifornien. Porno regiert die Welt.

Die Kardashians regieren Instagram mit so viel Fake, dass es schon wieder real ist. Denn, wenn ich mich zurechtoperieren lassen kann, was ist dann noch real? Ist der Avatar ein Mensch, oder der Mensch ein Avatar?

Der aktuelle Höhepunkt ist übrigens die neue Werbekampagne des Gatten von Kim, der Pornodarstellerin engagiert und sich vornüberbeugen lässt. Riesenhintern, Riesenbrüste – mit nichts Anderem bekleidet als seinen unscheinbaren Sneakern. Dem Magazin Grazia ist das nicht mehr als die Frage wer, wie das seine Frau wohl findet. Aber dann ist es auch nicht die Aufgabe eines Blättchens wie diesem, bestehende Zustände in Frage zu stellen. My bad….ich Dummerle…

 

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Kalifornische Haltung: Ich darf euch glaubhaft versichern, dass ich ganz stramm eine andere Körperhaltung einnehme, sobald ich kalifornischen Boden betreten habe. Soviel Brust-raus-Bauch-rein war selten.

 

 

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Das Umfeld wirkt halt immer mit. Und den gefakten, perfekten Kardashians steht eine feministische „natürliche“ Entwicklung gegenüber.

Auf Blogs würden Frauen, so die „FAZ“ darauf achten, anderen Frauen kein schlechtes Gefühl mit ihren Bildern zu geben. Abgesehen davon, dass Bilderwirkung ein sehr weites Feld ist und ich nie wissen kann, was in anderen abgeht und was meine Bilder in anderen auslösen, ist die Idee, es mit normaler Wertschätzung für das, was ich im Spiegel sehe, zu versuchen, gar nicht schlecht.

In dieser Bewegung sind dann auch die Wörter „Girls“ und ein „blasses Pink“ nicht mehr verdammt. Der Höhepunkt davon? Der Modeladen „Tits“ aus Amsterdam, der Shirts mit aufgezeichneten Brüsten verkauft. Soll cool sein für alle, die Brüste zeigen wollen.

 

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Auf Instagram kursiert ja deswegen der Hashtag #MehrRealitätaufInstagram. Allerdings ist auf deutschen Social Media Accounts Ü40 wenig Frauenbewegendes zu sehen oder gar zu lesen.

Dafür ist Rosa sehr beliebt. Was mir gefällt, weil es einfach nur EINE Farbe ist. Eine Mode-Farbe, die ich gern trage. Vor allem modern kombiniert mit meinem blauen Faltenrock und den Samtschlappen wie letztes Wochenende beim Heimatbesuch im Niedersächsischen.

!!! Wie ich ein rosafarbenen Komplettlook mit Gelb und blauem Ringelshirt kombiniere, seht ihr hier. Eine zweireihigen blauen Sommerblazer trage ich auch gern zur rosa Mom-Jeans mit Pantoletten aus Brokat. Und wer sich nur für Taschen und nix anderes hier interessiert, der findet bei Sabine Gimm die Themenwoche dazu!!!

 

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Rosa – die Farbe der Frauensolidarität?

„Support other women. Always“, sprach gestern Victoria Beckham, die diese Saison nicht nur viel Pastell, sondern auch Rosa und Pink trägt, in ihrem Video-Account. Ich weiß aber nicht, ob ich ihr die Haltung so abnehme. Ich sehe sie so selten dabei, wie sie ihrerseits andere Frauen unterstützt. Vielleicht passiert das bei ihr hinter den Kulissen.

Die Farbe Rosa scheint also auf jeden Fall auf dem Weg der Besserung zu sein. Ihre Umwidmung  zu etwas Positivem gefällt mir.

 

Wieviel Fake ist noch real?

Komisch, denke ich mir: Ist doch alles erlaubt. Alles kann, nichts muss. Und dann meckert es in meinem Kopf: „Schöne Haut will ich, ich will frisch und erholt aussehen.“

Wenn ich mir dann so selbst zuhöre, denke ich: „Puh, liebe Sabina, mal wieder viiiiiel zu viele Frauenzeitschriften beim Friseur durchgeblättert, was?“ Die Sprüche der Werbeindustrie sitzen bei mir so fest im Kopf wie duselige Jingles von Müllermilch.

Doch natürlich sage ich mir auch: Ein bißchen Polstern hier, ein wenig glätten da, was soll’s? „The buck stops here“, sprach einmal ein weiser, amerikanischer Präsident und meinte damit, dass bei ihm die Macht der Entscheidung liegt. Und für mich bedeutet dies beim Thema „Schönheit“, regelmäßige Besuche bei meiner liebsten Kosmetikerin zur gründlichen Gesichtsreinigung, und allem, was die heutige Schönheitspflege mit Algen, Aloe Vera und Hyaluron so hergibt.

Ich habe nur eine Richtschnur: Gespritzt wird nicht. Dafür will ich kein Vorbild und auch keine Inspiration abgeben. Deshalb werde ich auch nie eine erfolgreiche Beauty-Bloggerin. Obwohl ich schon feste über Beauty gebloggt habe. Etwa über die Wirkung von „LA MER“ versus „La Mer“ oder darüber wie ich „Endlich meine unreine Haut losgeworden“ bin.

Doch streng genommen ist meine Haut ja schon lange nicht mehr meine Haut. Genauso wenig wie mein Körper mir gehört.

Denn, wenn ich ihn anblicke, gibt es Zonen. „Problem-Zone“ in erster Linie. :))) Der Körper ist Kampfzone, Body Positivity hin oder her. Dazu habe ich übrigens ein sehr aussagekräftiges Bild in meinem PINTEREST Board „Cool Stuff„, gepinnt.

 

 

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Denn wohin ich den ganzen Tag über so hinschaue und -höre, ist die Realität viel zu unperfekt und Bedarf dringend der Verbesserung. Eine Künstlerin hat sich zur Werbung für Frauen sehr interessante Gedanken gemacht. Oberschenkel zu dick, hier konturieren, dort schattieren. Das ist alles per se unperfekt und so kaufe ich schnell das nächste Produkt, dass mir Wunder verspricht.

Und ich falle darauf rein. Haha. Das wird sich auch nicht ändern. Weil ich nicht nur in meinen eigenen komischen Kopfgeburten gefangen bin, sondern auch davon, wie andere mich wahrnehmen. Gerade auch im Internet. Da ist mir das „bewertet und begutachtet werden“ sehr bewusst.

Meine vermeintlichen „Makel“ kenne ich schon seit mehreren Jahrzehnten. Meine Zähne musste ich aus medizinischen Gründen korrigieren lassen, weil sie zu eng wuchsen. Da hat nicht alles gepasst. Eine Bekannte ließ sich den Kiefer brechen, um ihn zu korrigieren. Aber ich hätte dann nicht mehr ausgesehen wie ich mich kenne Mitte 20. Das lehnte ich dankend ab.

 

 

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Ist Body Positivity auch ein Fake?

Ist Zähne korrigieren schon ein Fake? Denn wo Licht ist, lauert bekanntermaßen der Schatten: Formwäsche tragen, hier mal schnippeln, da polstern und shapen – so gewöhnt sich der Mensch an die enge Norm, der doch so falschen Realität, schreibt die „FAZ“.

Ich bin dann mal so frei zu entscheiden, dass dieser Körper gefälligst fit, frisch und geformt gehört“ –

 

 

Insofern ist jeder Post und jeder Blog, der tatsächlich mal unperfekte Körper und weniger feste Brüste und Oberschenkel zeigt, weniger „anti-aging“ behandelte Gesichter, ein tatsächlicher Fortschritt, von dem ich mich inspiriert fühlen würde.

Irgendwie scheint die Generation der Frauen Ü40 und Ü50 aber in der Perfektionsfalle zu hängen. Das finde ich irgendwie Schade. Doch halt: Will ich wirklich die niedersächsische Pampa im Bild sehen oder doch viel lieber die rosafarbenen Traumstrände auf den Bahamas? Denn Fakes sind ja auch Träume, die mir den Alltag versüßen.

 

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Perfekt (Fake) oder doch unperfekt (real)?

Wieviel Fake steckt also in mir, ist letztlich die Frage, die ich mir stelle. Und so finde ich an manchen Tagen meinen Körper okay. An anderen wünsche ich ihn mir anders. Ich gehe zur Kosmetikerin und fake ein bißchen Frische. Und kaufe mir BHs, die meistens alle wattiert sind, weil es kaum noch andere gibt.

Aber wie beim Yoga geht es ums Üben einer realeren Einstellung: Ich übe mich darin, selbst zu bestimmen, wie ich meinen Körper finde. Und ich habe mich entschieden, ihn in diesem Moment einfach schön zu finden wie er ist. Und für die restlichen Tage setze ich mir meine rosa Brille auf die Nase.

Wenn aber Frauen meines Alters Bilder von ihren unperfekten Körpern und Gesichtern zeigen, finde ich das sehr motivierend. Und daher verweise ich sehr gern auf einen Post meiner lieben Bloggerfreundin Laurie, von Vanity and Me Style.

Sie ist Ü50 und trägt einen schönen Badeanzug, der zwar gepolstert ist, aber mir gefiel ihr Bild sehr gut und man kann sehen, dass Laurie so aussieht wie sie aussieht – ein schönes Vorbild für Empowerment. Ach, und natürlich ist das Modell „Pink“.

Ach und wo wir gerade bei Frauen und Gesellschaft sind. Da darf ein bisschen Sexismus nicht fehlen. Immer gern genommen im Fußball, der letzten Männerbastion. Da kommentiert gefälligst keine Frau.

Was werden Slogans vom „Zeitalter der Frauen“ und „Rosa ist die neue Power“ bewirken? Meerblaue Grüße

 

-Sabina

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  1. Liebe Sabina, ein toller Artikel! Ja, es ist vielleicht nicht immer einfach, sich so anzunehmen, wie man halt ist. Aber das war es nie! Es gab immer ein noch Schöner, ein noch perfekter. Das wir uns vergleichen, ist für mich völlig normal. Was mir fehlt ist das Bewustsein, dass wir das eine vielleicht nicht haben, dafür aber umso mehr von anderem. Wenn ausschliesslich die Mainstream-Schönheit zählt, sind wir automatisch dazu verdammt unglücklich zu werden. Und das stimmt mich traurig! Daher ist es so wichtig, dass wir dagegen halten. Weiter so, liebe Sabina!

    Liebe Grüsse
    GabRiele

    1. Danke für dein motivierendes Feedback liebe Gabriele. Das anregendenen Gedanken lese ich immer besonders gern. Oft bin ich mir gar nicht so sicher, ob etwas Dagegenhalten überhaupt nützt. Aber gar nichts halten, ist auch keine Lösung 🙂
      Hab noch einen schönen Sonntag.

  2. Liebe Sabina, ein toller Text zu einem tollen Look mit toller Ausstrahlung.
    Weisst Du wie prinlich mir das wäre, wenn ich die Fotis alle schönen würde und man mich dann persönlich treffen würde und ich anders aussehe? Nö nö lieber echte Tina. Ich bin froh, dass die meisten meiner Blogs die ich lese das auch so halten.
    Und Rosa ist klasse, das steht außer Frage
    Schönen Sonntag wünsche ich Dir, herzlich Tina

    1. Gestern habe ich mit meiner Fotografin über Photoshop gesprochen und genau dasselbe zu ihr gesagt: ich möchte gern noch erkannt werden, wenn Leute mich treffen, die zuerst Fotos gesehen haben. Alles andere kann ja nur zu meinem Nachteil ausfallen. Ich bin auf Fotos ohne meine vorherige Zustimmung gephotoshoppt worden. Das war nicht mehr ich, was mich echt geärgert hat. Insofern sehe ich das wie du. LG Sabina

  3. Liebe Sabina,
    „Ich bin nicht in meinem Körper gefangen. Ich bin gefangen in dem Blick der Gesellschaft auf meinen Körper“ ist ein sehr gutes Zitat zum Thema! Und ich denke, genau das trifft es auch! Auch die neue „Unperfektheit“ ist ja in sich schon wieder perfektionistisch. Jetzt müssen sich alle schön finden, wie sie sind, aber wehe, sie sehen nicht so aus, wie es das neue, vielleicht weniger künstliche, aber dennoch frische, hübsche, junge Ideal will. Tja… geändert hat sich deshalb trotzdem eher wenig…
    was Du über Kalifornien sagst, da muss ich echt erschrecken. Trotzdem hast Du Dich dort doch so wohl gefühlt, wie Du sagst. Aber kann man sich komplett frei und entspannt fühlen, wenn man die „Brust raus, Bauch rein“-Haltung annehmen muss…?
    Tja. Ein fast schon philosophisches Thema. Ich denke, wir können gar nicht genug darüber reden und diskutieren…
    Danke für den Post!
    Liebe Grüße, Maren (die Teva-Schuhe sind endlich da! sie sind toll! Danke nochmal für den Tipp!)

    1. Sorry, für die verzögerte Antwort liebe Maren, aber ich habe es nicht vergessen und hab mir an diesem Sonntag die Zeit für eine ausführliche Antwort zu deinem netten Kommentar bewusst genommen: Aber nee, das ist nicht so anstrengend, weil ich auch darüber lachen muss. Ich mach das einfach, fühle mich aber innerlich weit genug weg davon. Meint aber vor allem auch Körperspannung.

      Freut mich so, dass du Schuhe gefunden hast. Sei ganz lieb gegrüßt und hab noch einen famosen Sonntag! LG Sabina

  4. Oje, wer ist schon perfekt? Möchte ich gar nicht sein. Das wäre doch langweilig. Ich glaube, jede Frau hat irgendwas an sich zu meckern. Finde ich sehr schade.

    Du siehst toll aus in Rosa liebe Sabina.

    Liebe Grüße Sabine

    1. Das ist eine sympathische Einstellung liebe Sabine. Komisch nur, dass wir das offenbar doch von uns erwarten *grübel* Danke für das nette Kompliment und liebe Grüße zu dir. Sabina

    1. Well you would know being a mom yourself Laurie. And one thing that attracted me to your blog was your attiude. You are welcome! xo