Was ich mir nach Karl Lagerfelds Tod bewahren möchte

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Jogginghosen gehören zu meinen liebsten Kleidungsstücken. Warum ihr dann eine Cordhose seht? Weil ich euch heute die Leoboots mit einer Cordhose zeigen wollte. Und dann verstarb gestern einer der größten Modedesigner des 20. Jahrhunderts: Karl Lagerfeld.

Über ihn kann ich nicht schreiben ohne die Jogginghose ins Spiel zu bringen. Euren beliebtesten Blogpost dazu findet ihr hier.

Lagerfelds Einfluss in der Modewelt und sein kreatives Können sind ja hinlänglich bekannt. Der Tod von Karl Lagerfeld ist aber nicht nur ein großer Verlust für die Mode, für seine Familie und Freunde.

Ich finde, die Welt hat einen spannenden Menschen verloren. In meinem bescheidenen Modeblog erlaube ich mir heute eine Hommage – Karl Lagerfeld aus meiner Fernsicht.

Es gibt genügend Redakteure, die sein Wirken viel besser beschreiben können als ich, wie die Vogue etwa, weil sie ganz nah dran waren.

Den Einfluss von Karl Lagerfeld auf die Mode hat die Vogue natürlich perfekt aufbereitet.

 

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Doch Lagerfelds Spruch über die Jogginghose war ja nicht nur eine Kritik an einem schlabberigen Kleidungsstück aus dem Sport.

Mit dem berühmten Zitat hat er in unser aller Leben eingegriffen.

 

Wer Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren“ – KL

 

Karl Lagerfeld und die Ästhetik

Man muss Lagerfeld nicht gut finden. Sein Spruch mit der Jogginghose hat mich damals furchtbar geärgert. Was für ein Snob, dachte ich mir.

Doch er hatte in gewisser Hinsicht sehr recht. Karl Lagerfeld stand auch für Selbstdisziplin und eine Haltung.

Obwohl Chanel irgendwann Sneakers auf dem Laufsteg zeigte, so zielte seine Jogginghosen-Kritik auf ein Zuviel an Nachlässigkeit ab.

 

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Wenn er verstand, wieviel Kleidung und Mode darüber hinaus über uns selbst und unser Leben aussagt, dann musste ihm die Wurstigkeit und Schlampigkeit ein Gräuel sein.

Ich denke, Jogginghose war für ihn gleichbedeutend mit Vulgär, Einfachheit und Gewöhnlichkeit.

Die Rückkehr der 80er mit ihrem schlechten Geschmack, die Kardashisierung der Welt und der Verlust an guten Manieren bei den meisten von uns, sind meines Erachtens das Gegenteil dessen wofür Karl Lagerfeld stets stand.

1984 trug er beispielsweise einen Anzug mit Krawatte und Weste. Strenger und minimalistischer geht es kaum.

Wer kann sich schon im Anzug gehen lassen?

 

Mehr Eleganz

Denn bewundert habe ich immer an ihm, seinen Mut zum Luxus. Seinen Mut zur Üppigkeit. Er war ja nach eigenen Angaben ein großer Liebhaber des 17. Jahrhunderts, der Barockzeit, die modisch nach mehr Eleganz strebte.

Ich denke, dass er diesen ästhetischen Lebensgenuss auch nur in Paris ausleben konnte.

In New York mit seiner hektischen Geschäftigkeit hätte das nicht funktioniert.

Dankbar bin ich im dafür, Chanel zwar erfolgreich weitergeführt zu haben, ohne die Marke zu sehr zu verändern. Was ihm Kritiker genau vorgeworfen haben.

 

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Nicht langweilen, sich nicht gehen lassen – das sind Maximen von Lagerfeld.

Wenn man so will, konnte oder wollte sich aus „Selbsterhaltung“ nicht gehen lassen. Ergo: No Joggingpants! 🙂

 

Jeder darf seine Geheimnisse für sich behalten

Karl Lagerfeld war neugierig auf die Gegenwart und verkörperte dennoch Werte wie Diskretion und Privatsphäre. Hätte er es in einer U-Bahn ausgehalten? Wohl kaum.

Die Schamlosigkeit, die dort herrscht, finde ich meistens unerträglich.

 

Die Vogue, der Humor und die jüdische Kultur

Lachen befreit und die Dinge der Welt zu veräppeln zeugt von Esprit. In dieser Hinsicht erinnert mich Lagerfeld an meinen irisch-englischen Lieblingsautoren Oscar Wilde. Humor war ihm wichtig.

Und die erste Modezeitschrift, die er selbst in die Hände bekam, war natürlich – die Vogue.

 

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Dass er eine eigene Modemarke führte, für Chloe, Fendi designte, interessierte mich wenig.

Wie gesagt, ich war kein Fan von ihm. Karl Lagerfeld war für mich Chanel. Aber er verkörperte für mich eine Haltung.

Ich liebe jüdische Kultur, in Wien und Berlin. Noch mehr noch: wir teilten einen Geburtstag. Er wurde 1933 geboren, ich dreiunddreißig Jahre später.

 

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Einmal stellte ich mir vor, wie es wohl sein würde ihn zu treffen. Ihm zu begegnen. Weniger Sorge machte mich mein Outfit. Aber konnte sich jemand vorstellen, in seiner Gegenwart herumzufläzen? Wohl kaum.

Mit Karl Lagerfeld verstirbt nicht nur ein bedeutender Modedesigner.

Vielmehr verliert die Welt einen vielseitig interessierten Menschen mit einem klaren moralischen Kompass. Ein Stück Eleganz hat die Welt verlassen.

Weil Schwarz kombiniert mit Taupe für mich eine der elegantesten Farbvarianten ist, bin ich froh über den heutigen Look, zu dem ich euch heute doch etwas ganz Anderes ursprünglich erzählen wollte.

Ich trage eine Cordhose, keine Joggingbux und stelle mir in aller Bescheidenheit vor, dass der Look vor Kaiser Karls Augen Gnade gefunden hätte.

 

-Eure Sabina

 

 

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  1. Mit Karl Lagerfeld ist nicht nur ein riesengroßer Modekünstler gegangen, sondern auch ein Mensch mit Ecken und Kanten, der sich und seinen Ansichten treu geblieben ist.
    Das macht mich alles in allem ziemlich traurig.
    Hoffe, dass es Choupette weiterhin gut geht.
    Traurige Grüße
    Claudia

  2. Karl war wirklich eine polarisierende Persönlichkeit. Seine Zitate bleiben unvergesslich wie auch seine Vision. Ich habe mich nie implizit mit ihm beschäftigt, aber wenn ich mal auf einen Artikel oder Interview von Ihm gestoßen bin, dann war ich wirklich nach dem Lesen Baff. Ich bin gespannt, wie die Arbeit im Hause Chanel und vor allem im Hause Lagerfeld aussehen wird.

    Gruß,
    Petra

    1. Ging mir auch so. Naja, seine engste Mitarbeiterin (habe den Namen vergessen, irgendwas mit V) wird bei Chanel übernehmen. Hat das Haus ja gleich mit der Todesnachricht verkündet. War angebeblich auch sein Wunsch. Ob Lagefeld weiterbestehen wird? Hm….LG Sabina

  3. Och, mich hat der Spruch gar nicht so geärgert – er hatte ja im Prinzip recht, es sieht liederlich aus! Ich gehe zwar nie mit Jogginghosen auf die Straße und diese pluderigen Jogginghosen trage ich sowieso nie, aber mit Leggings, was ja ähnlich ist. 😉

    Und wenn man manche schlampigen Zeitgenossen so sieht, wie die draußen mit der Bierpulle herumlungern und in Jogginghose, trifft das voll und ganz zu! Wobei ich hier nicht werten will, denn es hat Gründe, warum Menschen so werden! Die man nicht nur verurteilen kann und darf!

    Auch ich laufe gern etwas schlampert herum, aber anders, ich liebe es halt ein bisschen bohemian und mache einen Kult daraus. 🙂
    Sneakers z.B. mag ich dafür gar nicht! Ich bevorzuge „richtige“ Schuhe. 😀

    Oh und U-Bahn, da sagst Du was – ich finde es bedrückend und mag auch nicht Busfahren, diese Enge, die Gerüche, die schlechten Manieren … Aber in der U-Bahn fällt mir besonders diese Angst auf! Alle starren auf ihr Handy und viele haben Angst in den Augen. Kein Wunder, wer fährt schon gerne unter der Erde?? Oberirdisch in der Straßenbahn wirken die Menschen gleich ganz anders.

    Schwarz geht immer und Deine Stiefeletten gefallen mir sehr!

    Liebe Grüße auch hier
    Sara

    1. Liebe Sara, wie schön von dir zu hören! Wenn ich deinen Namen lese, muss ich auch immer an Gärten denken…alles Grün. <3 Ich weiß gar nicht, ob das Angst ist. Wo soll man in so geschlossenen Räumen mit Fremden hingucken? Das ist für mich auch Distanz. Nervig finde ich es eher auf der Straße, wenn die Leute nicht gucken wo sie hinlaufen....Dein Kult feiern klingt gut. Das hört sich nach einem schönen Gefühl an. Und bei Bohemian muss ich gleich an Oscar Wilde und seinen grünen Salon in Paris denken, wo er starb. Grüner Samt. Ohrensessel. Goldene Tasseln. Hammer! Schönen Sonntag und ganz liebe Grüße zu dir. Sabina